Shin Megami Tensei Lucifer’s Call

Der dritte Teil der in Japan beliebten Shin Megami Tensei-Rollenspielserie ist zugleich der erste Serienableger, der es offiziell auch nach Europa schafft. Unter dem Titel „Lucifers Call“ erleben hiesige PS2-Spieler zum ersten Mal ein dämonisch-okkultes RPG aus der Schmiede der Persona-Entwickler von ATLUS.

Facts

Titel: Shin Megami Tensei Lucifer’s Call
Kategorie: Rollenspiel
PAL-Release: 2005
Entwickler: ATLUS
Hersteller: Ubisoft
Spieler: 1
Kompatibles Zubehör: Analog Controller, Memory Card

Story

Der Protagonist dieser Geschichte, ein Schüler in Tokyo, stolpert nichtsahnend über das Komplott einer mysteriösen Sekte und wird Zeuge der Zerstörung der gesamten Stadt. An Stelle des Jenseits erwartet ihn allerdings eine apokalyptische Welt voller Dämonen und Geister, die nun Tokyo bevölkern! Der Spieler begibt sich daraufhin auf die Suche nach weiteren menschlichen Überlebenden und erkundet dabei diese mysteriöse und lebensfeindliche Welt. Wie kam es zu der Apokalypse? Was hat es mit der Energieform „Magatsuchi“ auf sich? Und wer ist die mysteriöse Dame in Schwarz und ihr Begleiter im Rollstuhl?

Gameplay

Im Zuge der Apokalypse ist der Protagonist selbst zu einem Halbdämonen mit übernatürlichen Kräften geworden. Er kann fortan besondere Fähigkeiten wirken und sogar feindliche Dämonen rekrutieren, damit sie an seiner Seite kämpfen. Jede Kreatur verfügt dabei über unterschiedliche physische und/oder magische Spezialfähigkeiten sowie individuelle Stärken und Schwächen, die es zu beachten gilt.

Das rundenbasierte Kampfsystem der Shin Megami Tensei-Serie ist dabei so einfach wie genial: Trifft man einen Gegner mit einer Attacke, für die er anfällig ist (z.B. Feuermagie), gewinnt die Party einen zusätzlichen Zug in dieser Runde. Besitzt der Widersacher hingegen eine entsprechende Resistenz, erleidet er keinen Schaden und die Party verliert sogar einen Zug. Dieser Mechanik folgend, müssen Feinde also genau analysiert und Mitstreiter wohl überlegt selektiert werden. Bei siegreichen Kämpfen warten nicht nur Erfahrungspunkte zum Aufleveln, sondern gelegentlich auch Edelsteine, die sich bei Händlern gegen mächte Items eintauschen lassen.

Über die frei begehbare Oberwelt lassen sich neue Orte erreichen, um die Story voran zu treiben und Partymitglieder an heiligen Schreinen zu heilen. Wichtiger Anlaufpunkt ist zudem die Kathedrale der Schatten: hier können Dämonen zu gänzlich neuen und stärkeren Wesen miteinander verschmolzen werden. Wer dann noch eine extra Herausforderung sucht, kann sich wahlweise knallharte Duelle mit untoten Erzfeinden liefern und immer neue Abschnitte des verwinkelten Amala Labyrinths erkunden. Es gibt also viel zu tun!

Meinung

Während japanische Rollenspiele meist für niedliches Charakterdesign und farbenfrohe Landschaften bekannt sind, stellt Shin Megami Tensei Lucifer’s Call diese Genre-Konventionen gehörig auf den Kopf! Die Welt des zerstörten Tokyos wirkt zutiefst düster und rätselhaft. Okkulte Clans kämpfen um die Vorherrschaft und selbst die eigene Kampfestruppe besteht aus fiesen Geistern oder Dämonen. Ein ungewöhnliches Konzept, das mich absolut begeistert!

Die über 100 verschiedenen rekrutierbaren Dämonen und Monster in Lucifer’s Call sind das eigentliche Highlight des ganzen Spiels. Es macht verflucht viel Spaß, neue Dämonen in seine Gruppe zu holen, deren Spezialfähigkeiten zu entwicklen und sie zu neuen, noch absurderen Kreaturen mit noch stärken Fähigkeiten zu kombinieren. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele meiner rund 50 Spielstunden ich allein in den Menüs der Schattenkathedrale verbracht habe!

Dazu gesellen sich die vielen taktischen Möglichkeiten des Kampfsystems: Wie nutze ich die Schwächen meines Gegners am besten aus? Welche Dämonen benötige ich in meinem Team? Und welche nützlichen Fähigkeiten soll überhaupt mein Protagonist erlernen? Hier bekommen Genrefans deutlich mehr spielerische Feinheiten geboten als in vielen anderen RPGs auf der Playstation 2 – einschließlich der Persona-Reihe.

In meinen Augen hat übrigens auch der Schwierigkeitsgrad eine Erwähnung verdient. Denn während ich mir an den unfairen Zufallskämpfen bei Shin Megami Tensei Digital Devil Saga öfter die Zähle ausgebissen habe, empfinde ich den Herausforderungsgrad hier als ziemlich in Ordnung. In den meisten Fällen sind Dungeons auch mit ausreichend Speicherpunkten und Heilungsmöglichkeiten ausgestattet. Erst wenn man sich an die optionalen Gebiete und Bossfights heranwagt, bekommt man wirklich die volle Härte des Titels zu spüren.

Ganz so überzeugend wirkt die PAL-Portierung von Ubisoft leider nicht. Zwar darf man sich über einen 60 Hertz Modus und sogar eine Deutsche Übersetzung freuen, doch gerade letztere wirkt mitunter ziemlich stümperhaft. Immerhin erhält man hier die einzigartige Fähigkeit, seine Dämonen brüderlich zu „teilen“, anstatt sie wie in der Englischen Version zu „entlassen“ (part with)… Nein, danke! Da bleibe ich doch gerne beim Original. 😉

Zusammenfassend möchte ich feshalten: Shin Megami Tensei Lucifer’s Call mag zwar an immer gleich aussehenden Dungeons und einer vergleichweise schwachen erzählerischen Ebene kranken. Doch wer sich für ein düsteres J-RPG mit knackigen Rundenkämpfen und motivierender Monsterzucht begeistern kann, der liegt bei diesem Titel genau richtig.

Bewertung: 4 von 5.

Marketing

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Video Trailer
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Ein Kommentar zu “Shin Megami Tensei Lucifer’s Call

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